Geschichte der FF Trattenbach
Chronik der FF Trattenbach Kurzüberblick 1986–2026 Die Gründung der FF Trattenbach datiert auf den 12. Juli 1986 Die Freiwillige Feuerwehr Trattenbach zählt zu den jüngeren Feuerwehren Österreichs. Was 1986 mit Pioniergeist, persönlichem Einsatz und bescheidenen Mitteln begann, entwickelte sich in vier Jahrzehnten zu einer modern ausgerüsteten, gut ausgebildeten und fest im Gemeindeleben verankerten Feuerwehr. Das Einsatzgebiet ist durch die Lage im Feistritztal und am Wechsel geprägt. Steile Straßen, ausgedehnte Waldflächen, verstreute Anwesen, winterliche Fahrverhältnisse und der Feistritzsattel stellen besondere Anforderungen an Mannschaft und Gerät. Neben Bränden und technischen Hilfeleistungen gehören daher auch Unwetter-, Waldbrand-, Such-, Tier- und Fahrzeugbergungseinsätze zum Aufgabenspektrum. GRÜNDUNG UND AUFBAU 1985–1991 Mit der Wiedererlangung der Selbstständigkeit der Gemeinde Trattenbach am 1. Jänner 1985 stellte sich die Frage nach einer eigenen Feuerwehr. Das Gemeindegebiet war zunächst der FF Otterthal zugeordnet. Aufgrund der Größe des Versorgungsgebietes, der finanziellen Überlegungen und des Wunsches nach einem Betätigungsfeld für die Jugend wurde die Gründung einer eigenen Wehr vorbereitet. Eine schriftliche Befragung mit rund 300 Unterschriften zeigte breite Zustimmung. Am 14. Juni 1986 fand im Dretenpacherhof eine erste große Zusammenkunft statt. Das offizielle Gründungsdatum ist der 12. Juli 1986. Konrad Fischer wurde zum ersten Kommandanten gewählt, Rudolf Artner zum Kommandant-Stellvertreter und Günter Schabauer zum Leiter des Verwaltungsdienstes bestellt Die Anfangsjahre waren von Improvisation geprägt: Einsatzbekleidung zuhause, Gerät in einer Fabriksgarage und Fahrten zu Einsätzen zunächst mit Privatfahrzeugen. 1986: Anschaffung der ersten persönlichen Ausrüstung, einer gebrauchten Tragkraftspritze und des ersten Einsatzfahrzeuges, eines Land Rover FC110. 3. September 1986: erster dokumentierter Einsatz auf der L175. 1987: erste Fahrzeugsegnung, erstes Zeltfest, Angelobung der Gründungsmitglieder sowie Anschaffung von Atemschutz- und Funkgeräten. 22. Juni 1988: Spatenstich für das neue Feuerwehr- und Gemeinschaftshaus. 29. September 1991: feierliche Eröffnung des Gemeinschaftshauses nach umfangreicher Eigenleistung von Feuerwehr, Musikverein und Bevölkerung. Bereits in dieser frühen Phase entstanden die Grundlagen, die bis heute prägend sind: fundierte Ausbildung, Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg, laufende technische Weiterentwicklung und ein starker Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. MODERNISIERUNG UND FESTE VERANKERUNG 1992–2005 Nach der Eröffnung des Feuerwehrhauses verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf Ausbildung, Einsatzorganisation und moderne Ausrüstung. 1992 wurde ein gebrauchtes Tanklöschfahrzeug TLF 2000 angekauft. 1993 folgte ein VW Caravelle als Mannschaftstransporter. Funkmeldeempfänger verbesserten die Alarmierung der Mitglieder. Die 1990er-Jahre brachten eine stetige Weiterentwicklung. Die technische Ausstattung wurde ergänzt, die Alarmierung modernisiert und der Fuhrpark erneuert. 1997 ersetzte eine neue Tragkraftspritze der Marke Ziegler das alte Gerät. 1999 wurde ein allradgetriebenes Kleinlöschfahrzeug auf Basis eines Mercedes Sprinter in Dienst gestellt. 2001 entstand der Unterabschnitt 6 Otterthal mit den Feuerwehren Otterthal, Raach und Trattenbach. Die enge Zusammenarbeit prägt Ausbildung und Einsatzdienst bis heute. Ein besonders wichtiger Schritt für die Zukunft war 2002 die Gründung der Feuerwehrjugend. Sie schuf eine dauerhafte Basis für die Nachwuchsarbeit und ermöglichte Kindern und Jugendlichen, frühzeitig Verantwortung, Kameradschaft und feuerwehrfachliche Kenntnisse zu erwerben. 2003 forderten schwere Gewitter und Hochwasser das Gemeindegebiet. Innerhalb kurzer Zeit gingen zahlreiche Schadensmeldungen ein. Durchlässe wurden freigemacht, Keller ausgepumpt, Vermurungen beseitigt und Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Das Ereignis zeigte eindrucksvoll, wie wichtig eine örtlich verankerte und rasch verfügbare Feuerwehr ist. Mit der Anschaffung des Rüstlöschfahrzeuges RLF-A 2000 im Jahr 2005 gelang ein großer Qualitätssprung. Das Fahrzeug erhöhte die Möglichkeiten sowohl bei Brandeinsätzen als auch bei technischen Hilfeleistungen, insbesondere bei den anspruchsvollen Einsätzen rund um den Feistritzsattel. JUGEND, AUSBILDUNG UND GEMEINSCHAFT Die Feuerwehrjugend Trattenbach wurde am 5. Mai 2002 offiziell gegründet. Erster Feuerwehrjugendführer war Markus Schneeweis. Von Beginn an standen fachliche Ausbildung, Wissenstests, Fertigkeitsabzeichen, Bewerbe, Spiel, Sport und gemeinschaftliche Aktivitäten gleichwertig nebeneinander. 2004 wurden erstmals Mädchen aufgenommen. Damit begann ein weiterer wichtiger Abschnitt in der Entwicklung der Feuerwehr. Durch die Zusammenarbeit mit den Jugendgruppen aus Otterthal, Raach, Kirchberg und Feistritz konnten auch in Jahren mit geringerer Mitgliederzahl Bewerbsgruppen gebildet und gemeinsame Ausbildungsschwerpunkte gesetzt werden. 2003: erste Teilnahme an einem Landeslager. 2006: eigener Übungsplatz und erste eigene Bewerbsgruppe in Bronze und Silber. 2008: 5. Platz beim NÖ Junior Fire Cup. 2012 und 2013: Tage der offenen Tür zur Nachwuchsgewinnung. 2016: erneute Teilnahme am Junior Fire Cup. 2023: Gründung der Kinderfeuerwehr für Kinder ab acht Jahren. 2023–2025: stetige positive Entwicklung des Mitgliederstandes und regelmäßige erfolgreiche Absolvierung von Wissenstests und Fertigkeitsabzeichen. Die Nachwuchsarbeit sichert nicht nur die Einsatzbereitschaft der Zukunft. Sie vermittelt jungen Menschen Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt. Auch bei den Aktiven bilden regelmäßige Übungen, Lehrgänge und Ausbildungsprüfungen die Grundlage für einen sicheren Einsatz. Atemschutz, Funk, technische Hilfeleistung, Brandbekämpfung, Waldbrand, Erste Hilfe sowie die Zusammenarbeit im Unterabschnitt sind zentrale Bestandteile der laufenden Ausbildung. BEWERBSGRUPPE UND BESONDERE ERFOLGE 1997 gründeten junge Kameraden die erste Wettkampfgruppe der FF Trattenbach. Aus anfänglichen Übungen in und vor der Fahrzeughalle entwickelte sich eine der erfolgreichsten Bewerbsgruppen Niederösterreichs. Leistungsbewerbe fördern Schnelligkeit, Präzision, Disziplin und Teamarbeit und stärken zugleich die im Einsatz wichtigen Handgriffe. • 1998: Erwerb der Feuerwehrleistungsabzeichen in Bronze und Silber. • 2005: erstmals eine Zeit unter 40 Sekunden. • 2007: erster Heimsieg bei den Abschnittsbewerben in Trattenbach. • 2010: 3. Platz in Bronze beim Landesleistungsbewerb in Poysdorf. • 2012: erster Landessieg in Silber in Ternitz und 5. Platz in Bronze beim Bundesbewerb in Linz. • 2015: erstmals unter 30 Sekunden und Sieg beim Fire Cup in Mank. • 2016: 8. Platz beim Bundesbewerb in Kapfenberg. • 2022: Qualifikation und Teilnahme an der Feuerwehrweltmeisterschaft in Celje, 9. Platz und goldene Erinnerungsmedaille; zusätzlich erster Landessieg in Bronze. • 2023: Titelverteidigung in Bronze mit neuem Landesrekord von 28,14 Sekunden. • 2024: neue Bewerbsbestzeit von 27,94 Sekunden und Teilnahme am Bundesbewerb. Die Erfolge der Bewerbsgruppe machten Trattenbach weit über die Gemeinde- und Bezirksgrenzen hinaus bekannt. Neben der ersten Gruppe wurden in mehreren Zeitabschnitten zweite Bewerbsgruppen aufgestellt. Dadurch konnten weitere Mitglieder Leistungsabzeichen erwerben und Bewerbserfahrung sammeln. Seit 2023 veranstaltet die FF Trattenbach außerdem jährlich einen Kuppelcup im Gemeinschaftshaus. EINSATZDIENST IM WANDEL DER ZEIT Von den ersten Einsätzen im Jahr 1986 bis Ende 2025 verzeichnet die Chronik insgesamt 597 Einsätze und mehr als 7.000 Einsatzstunden. Das Spektrum reicht von Bränden und Verkehrsunfällen über Unwetter, Hochwasser und Waldbrände bis zu Suchaktionen, Tier- und Fahrzeugbergungen sowie Schadstoffeinsätzen. Zu den prägenden Ereignissen zählen der schwere LKW-Unfall am Feistritzsattel 1988, das Hochwasser im Feistritztal 1989, die große Personensuche 1993, das Hochwasser in Trattenbach 2003, mehrere Groß- und Wohnhausbrände, zahlreiche Unwettereinsätze und anspruchsvolle technische Hilfeleistungen in steilem und schwer zugänglichem Gelände. 2022 war mit 38 Einsätzen das einsatzstärkste Jahr der Feuerwehrgeschichte. 2023 folgten 31 Einsätze, darunter ein fordernder Waldbrand am Anger. Besonders herausfordernd waren auch der Waldbrand am Schneeberg 2010, der großflächige Waldbrand in Hirschwang 2021, bei dem die FF Trattenbach an mehreren Tagen unterstützte, sowie wiederkehrende Wald- und Flurbrände im eigenen und benachbarten Einsatzgebiet. Technische Einsätze prägen die Feuerwehr aufgrund der Straßenverhältnisse und Topografie besonders stark. Fahrzeugbergungen, Unfälle am Feistritzsattel, umgestürzte Bäume, Muren, überflutete Straßen und Keller sowie außergewöhnliche Einsätze wie die Bergung eines Baggers, einer Straßenwalze oder eines Stieres aus einem Brunnenschacht zeigen die große Bandbreite. Hinter jeder Statistik stehen Menschen, die plötzlich Hilfe benötigen, und Feuerwehrmitglieder, die unabhängig von Tageszeit, Wetter und persönlicher Situation ausrücken. Der Schutz der Bevölkerung und die sichere Rückkehr der Mannschaft bleiben dabei oberstes Ziel. FEUERWEHRHAUS, FAHRZEUGE UND FÜHRUNG Das Gemeinschaftshaus ist seit 1991 Mittelpunkt des Feuerwehrlebens. Es entstand mit großer Eigenleistung gemeinsam mit dem Musikverein. Weil das Gebäude den gewachsenen Anforderungen nicht mehr entsprach, wurde es von 2016 bis 2019 umfassend erweitert und umgebaut. Insgesamt wurden dabei 11.670 freiwillige Arbeitsstunden geleistet. Die feierliche Eröffnung fand am 14. und 15. September 2019 statt. Auch der Fuhrpark spiegelt die Entwicklung der Feuerwehr wider: vom gebrauchten Land Rover und der ersten Tragkraftspritze über TLF 2000 und VW Caravelle bis zum KLF-A, RLF-A 2000 und Mercedes Vito. Laufende Investitionen in Atemschutz, Einsatzbekleidung, Helme, Digitalfunk und Spezialausrüstung erhöhen Sicherheit und Einsatzfähigkeit. Drei Kommandanten prägten die ersten 40 Jahre: Konrad Fischer 1986–2011, Markus Schneeweis 2011–2026 und Daniel Aigner seit 2026. Konrad Fischer führte die Feuerwehr durch die Aufbaujahre, den Bau des ersten Gemeinschaftshauses und die Anschaffung der grundlegenden Ausrüstung. Markus Schneeweis setzte die Modernisierung fort, stärkte Jugend- und Bewerbsarbeit und verantwortete den großen Zu- und Umbau des Gemeinschaftshauses. Mit Daniel Aigner übernahm 2026 die nächste Generation die Führung. Seit 2026 besteht das Kommando aus Daniel Aigner als Kommandant, Mathias Tauchner als Kommandant-Stellvertreter und Alexander Ofner als Leiter des Verwaltungsdienstes. Gemeinsam mit Chargen, Sachbearbeitern und allen Mitgliedern tragen sie Verantwortung für Ausbildung, Einsatzbereitschaft, Organisation und Weiterentwicklung der Feuerwehr.

